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 Klaus Eichner, Ernst Langrock: Der Drahtzieher im Kai Homilius Verlag - Pressespiegel

Startseite > Gesamtverzeichnis > Zeit- und Militärgeschichte > Der Drahtzieher > Pressespiegel

Der Drahtzieher
von
Klaus Eichner, Ernst Langrock
Vernon Walters - ein Geheimdienstgeneral des Kalten Krieges.
288 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 2005
Zeit- und Militärgeschichte Band 17, 18.00 €
Bestell-Nr. 08017
Direkt beim Verlag bestellen

PRESSESPIEGEL


| Neues Deutschland | jw | Weißenseer Blätter | Leipzigs Neue | H-Soz-u-Kult |

Siegfried Prokop schrieb in Neues Deutschland am 31.03. 2005

»Dort wird es ums Ganze gehen, Dick«

Der Mann, um den es in diesem Buch geht, war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Sein Leben lang unverheiratet, besuchte Vernon A. Walters (1917 - 2002) nie eine Universität, ging täglich in die Kirche und sprach fließend sechs Sprachen. Seine wichtigsten Meriten verdiente er sich als unerschütterlicher Antikommunist auf dem »Schlachtfeld der Freiheit«.
Wo immer in der Welt eine rechtmäßige Regierung in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts aus Washingtoner Sicht gegen amerikanische Interessen verstieß, kam es zu verdeckten Aktionen zum Zwecke eines Umsturzes, bei denen in der Regel Walters als ein Drahtzieher agierte: so 1953 im Iran beim Sturz der Regierung Mossadegh, in Chile 1973 beim Niedermetzeln Allendes und 1974 beim Abwürgen der »Nelken«-Revolution in Portugal. Gemeinsam mit dem Papst in Rom wertete er bei mehreren Besuchen Geheimdienstmaterial aus, um dem aus Polen stammenden Oberhaupt der katholischen Kirche die Möglichkeit zu geben, Einfluss auf die politische Entwicklung im Heimatland zu nehmen. Trotz der überwiegend verwischten Spuren dieser Geheimdienstkarriere von Walters gelang es Klaus Eichner und Ernst Langrock durch eifriges Studium des veröffentlichten Materials ein plastisches Bild dieser US-Version von James Bond zu zeichnen und den Leser mit manchem interessanten Detail zu überraschen, wobei sie Walters letzte Mission von 1989 bis 1991 ins Zentrum ihrer Betrachtung rücken.
Walters, der 1989 bereits 72 Jahre alt und eigentlich Ruheständler war, erhielt kurz vor Neujahr einen Anruf des Präsidenten George W. H. Bush, sen. Dieser bot ihm an, US-Botschafter in Bonn zu werden: »Dort wird es ums Ganze gehen. Dick, willst Du mir helfen oder wirst du mich im Stich lassen?« Am 10. Januar 1989 zitierte die FAZ Walters zu seinem Auftrag in Bonn: »Eine meiner Hauptaufgaben ist es, die letzte Ölung zu geben, kurz bevor der Patient stirbt.« Die Bemerkung bezog sich auf den Realsozialismus in der Phase der Agonie. Die sowjetische Wirtschaft befand sich in einem Zustand des Verfalls. Nationalitätenkonflikte erschütterten das Land. Der fluchtartige Abzug sowjetischer Truppen aus Afghanistan offenbarte eine strategische Niederlage. Mit der Rücknahme der »Breshnew-Doktrin« signalisierte Michail Gorbatschow dem Westen »Verhandlungsbereitschaft«. Sollte das ganze osteuropäische System zum Einsturz gebracht werden, musste aus Washingtoner Sicht zuerst der mittelosteuropäische »weiche Unterleib« der UdSSR aufgerollt werden und nach Möglichkeit die DDR durch Einverleibung in die Bundesrepublik verschwinden (»dem sowjetischen Sicherheitssystem das Herz herausreißen« – Brent Scowcroft, Sicherheitsberater des US-Präsidenten).
Walters wurde im April 1989 als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik akkreditiert. Er tat eben genau dies, was Washington von ihm erwartete und in der »Grand Strategy« vom 18. Dezember 1988 konzipiert hatte. Walters registrierte mit Genugtuung, dass bestimmte Bonner Politiker dem Kurs auf einen äußerst schnellen Anschluss der DDR zu folgen bereit waren. Dazu zählte Bundeskanzler Helmut Kohl, Kanzleramtschef Seiters und Kohls Berater Teltschick. Eine andere Rolle in der Sicht von Walters spielte Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Dieser schien der amerikanischen Präsenz in Europa nicht mehr die Rolle beizumessen wie früher. Walters manövrierte deshalb über seine Direktkontakte zum Bundeskanzleramt systematisch das Bonner Auswärtige Amt und Hans-Dietrich Genscher ins Abseits. Walters Drahtzieherei ging soweit, dass er sogar das US-Militärflugzeug organisierte, das den überraschten Helmut Kohl, der sich zur Zeit des Mauerfalls in Warschau aufhielt, nach Berlin brachte, um gerade noch rechtzeitig das Deutschlandlied anzustimmen.
Walters konnte im Juni 1991 bereits wieder seinen Alterssitz in Florida beziehen, nachdem er seinem Präsidenten gemeldet hatte: »Mission accomplished.« Den stillen Tod der Sowjetunion – symbolisiert durch das letztmalige Einholen der Fahne mit dem Hammer- und Sichelemblem über dem Kreml am 25. Dezember 1991 – erlebte Walters an seinem Fernseher mit.
Zu Recht stellen die Verfasser die Frage, ob die Verantwortlichen in der Sowjetunion und in der DDR dieses Signal, das mit dem Einsatz von Walters gegeben wurde, erkannt hatten? Sie kommen zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall war: »Haben wir nicht immer gesungen: ›Völker hört die Signale«... Aber die andere Seite bläst zum... ›letzten Gefecht‹ und wir hören keine Signale mehr.«
Diesem spannend geschriebenem Buch, sind zahlreiche Leser zu wünschen. Es markiert einen wichtigen Mosaikstein jener auf den ersten Blick verwirrenden Ereignisse und Prozesse der Wendezeit von 1989 bis 1991. Für den Fall, dass eine zu wünschende zweite Auflage vorzubereiten ist, sollten einige Ungenauigkeiten korrigiert werden. Der U-2- Zwischenfall 1960 ließ die in Paris geplante Gipfelkonferenz platzen, nicht die Genfer Gespräche. ERP ist die Abkürzung von European Recovery Program (nicht Plan, wie im Glossar zu lesen ist)
Ein Anhang mit ursprünglich geheimen Dokumenten der US-Regierung, die den gegen die sozialistische Gemeinschaft gerichteten Kurs seit 1948 belegen, rundet die Publikation ab.

Klaus Eichner/ Ernst Langrock: Der Drahtzieher. Vernon A. Walters – ein Geheimdienstgeneral des Kalten Krieges. Kai Homilius Verlag, Berlin 2005. 277S., geb., 18 EUR.

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Günter Platzdasch schrieb in jw am 21.03. 2005

Der Feuerwehrmann

Ein Buch über Vernon Walters, den CIA-Strippenzieher in Krisengebieten. Vom Chile-Putsch zur deutschen Einheit
Anders als James Bond scheinen reale Nachrichtendienste gesichtslos zu sein. Mit dem Tod des Italieners Nicola Caliparis bei der Befreiung der Journalistin Giuliana Sgrena im Irak wurde aber deutlich, daß einzelne Geheimdienstler in Krisenregionen durchaus hervorragende Positionen innehaben.

Der Tod Vernon Walters vor drei Jahren im Rentnerparadies Florida erregte Aufsehen bei Freund und Feind. Denn obwohl der 85jährige im medizinischen Zentrum »Zum Guten Samariter« starb, erinnerte man sich in vielen Regionen der Welt, daß Walters keineswegs als barmherziger Samariter, sondern als Haudegen mit Geheimdiensthintergrund aufgetaucht war, um für den US-Imperialismus die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Karriere und Einsätze dieses Generals hat nun in Buchform ein kundiges Autorengespann nachgezeichnet: Klaus Eichner war im DDR-Ministerium für Staatssicherheit in der Hauptverwaltung Aufklärung Analytiker der US-Geheimdienste, Ernst Langrock war in der Nuklearforschung und als spurensichernder Publizist tätig.

Putschexperte

Beobachtern der deutschen Einigung 1989/90 ist Walters als US-Botschafter in der BRD vertraut. Kein Zufall, daß Walters zu jener Zeit auf diesem Posten war, das ist die Hauptthese dieses Buchs, das zugleich eine Schrift über geheime Hintergründe der deutschen Einigung und deren Funktion für den Zusammenbruch des sozialistischen Lagers ist. Als Walters seinen Job in Bonn im April 1989 antrat, war er 72 Jahre alt – aus dem Ruhestand hatte ihn US-Präsident Bush sen., ein früherer CIA-Chef, rekrutiert.

Eichner/Langrock weisen nach, daß Vernon, der nie eine Universitätsausbildung absolviert hatte, überall aufgetaucht ist, wo das Weltgeschehen sich für die USA krisenhaft zuspitzte. Beim Zusammenbruch der Nachkriegsordnung von Jalta arrangierte Walters am Tag des »Mauerfalls« 1989, daß Bundeskanzler Kohl mit einer amerikanischen Militärmaschine nach Berlin flog (den Autoren ein Skandalon, aber es ist daran zu erinnern, daß bis zum »Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland« vom 12. September 1990 die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs das Sagen hatten, so daß die Lufthansa Berlin nicht ansteuerte durfte; auch Willy Brandt ließ sich von einer britischen Militärmaschine vom Rhein nach Berlin transportieren, um die »Jetzt-wächst-zusammen«-Rede zu halten). Als es 1953 im Iran um die Kontrolle des Erdöls ging, die Regierung Mossadegh gestürzt und Schah Reza Pahlewi inthronisiert wurde, konnte Walters als Dolmetscher des US-Sonderbotschafters erste Staatsstreicherfahrungen sammeln. In Italien, wo Linke Einfluß gewannen, war Walters Anfang der 60er Jahre Militärattaché und schmiedete Invasionspläne für den Fall einer sozialistischen Regierung. Als 1964 in Brasilien Präsident Goulart durch einen Militärputsch gestürzt wurde, gab es wiederum Verbindungen zu Walters, der schon 1943 brasilianische Militärs ausgebildet hatte und als Sprachgenie auch des Portugiesischen kundig war. Als Frankreich sich von den USA emanzipierte und aus militärischen Strukturen der NATO löste, war Walters (1967–1972) Militärattaché in Paris. Bedeutsam auch, weil in Paris Friedensverhandlungen zum Vietnamkrieg der USA stattfanden. Walters schleuste mehrmals inkognito US-Sonderberater Henry Kissinger nach Paris. Von 1972 bis 1976 war Walters für das operative Geschehen verantwortlicher stellvertretender CIA-Direktor. In diese Zeit fiel das Ende der Diktaturen in Portugal, Spanien und Griechenland; in Portugal wurden CIA-Gelder den Sozialisten zugeschanzt, u. a. über BND und SPD – natürlich war auch Walters vor Ort.

Franco-Freund

Terror am 11. September – nicht 2001, sondern 1973: der Militärputschist Pinochet stürzte mit US-Unterstützung die chilenische Regierung Salvador Allendes (im Buch wird am Mythos, Allende wäre von Putschisten erschossen worden, festgehalten – darf ein linker Held sich nicht, wie belegt, selbst töten?). Eichner/Langrock erwähnen auch Indizien für Walters Engagement im griechischen Bürgerkrieg 1947–49, im Koreakrieg Anfang der 50er Jahre sowie im Franco-Spanien 1971. Zu ergänzen wäre, daß Walters schon 1959 dabei war, als Eisenhower Franco umarmte, und daß mehr über das Walters/Franco-Gespräch über Spaniens Zukunft nach Franco bekannt ist, bei dem Walters übrigens irrte, als er meinte, das Nach-Franco-Spanien wäre ein Tabu. Fernando Gonzales-Doria konnte noch zu Lebzeiten des Diktators 1974 das Buch »¿Franquismo sin Franco...?« veröffentlichen (ein Titel »Sozialismus ohne Breschnew« in der UdSSR war leider undenkbar). Vernons Sündenregister hat weitere Einträge: Von der Konterrevolution in Nikaragua bis zum Informationsaustausch mit dem Vatikan (nur Ahnungslose mokierten sich, daß dem MfS der Papst Aufklärungsziel war).

Etwa ein Viertel des Buches macht die Übersetzung von Kalten-Kriegs-Dokumenten sowie Walters-Nachrufen aus; dabei gibt es Wiederholungen. Für eine Neuauflage wünschte man sich – hier oder in Passagen ohne Walters-Bezug zum deutschen Einigungsprozeß – Kürzungen zugunsten der Einarbeitung neuerer Literatur: etwa die Studien von Daniele Ganser über die NATO-Operation »Gladio« oder von Christopher Hitchens über »Die Akte Kissinger«.
Klaus Eichner/ Ernst Langrock: Der Drahtzieher. Vernon A. Walters – ein Geheimdienstgeneral des Kalten Krieges. Kai Homilius Verlag, Berlin 2005. 277S., geb., 18 EUR.

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Rosemarie Müller-Streisand schrieb in Weißenseer Blätter am 15.01. 2005

die Rolle, die Walters bei der Vorbereitung jeder Konterrevolution spielte

Das Buch ist eine Gemeinschaftsarbeit.
Ernst Langrock, von Hause aus Naturwissenschaftler, wurde auf die Rolle nicht nur des US-amerikanischen Geheimdienstes, sondern speziell Vernon Walters durch das Buch "Das RAF-Symptom" von Wisnewski, Landgraeber und Sieker aufmerksam, die die Rolle der RAF bei der Ermordung von Herrhausen und Rohwedder in Frage stellten Als Mitglied der Redaktionskommission der Reihe "Spurensicherung" lernte Langrock Klaus Eichner kennen, der seit 1974 in der HVA des MfS tätig gewesen und seit 1987 bis zu dessen Auflösung Leiter des Bereichs Auswertung/Analyse der Abt IX (Gegenspionage) war. Langrock gelang es, Eichner der ja aus der Zeit vor 1990 genügend Material kannte, für das Thema Vernon Walters zu interessieren. So entstand dieses Buch.
Ziel war es herauszustellen, "was für ein US-amerikanischer Experte der Destruktion und Infiltration die Fäden an einem der schicksalsträchtigsten Vorgänge von Bonn aus zog" (S. 14 f.) Denn Vernon Walters war vom Präsidenten der USA mit den Worten "Dort wird es um das Ganze gehen", gebeten worden, ab April 1989 als Botschafter der USA in Bonn zur Verfugung zu stehen. Dieser Präsident aber war George W. Bush, der frühere CIA-Direktor.
Und Vernon Walters war von 1972-76 stellvertretender Direktor eben dieses US-amerikanischen Geheimdienstes, inzwischen eigentlich bereits im Ruhestand. Aber Anfang 1989 definierte er die ihm zugedachte Rolle selbst zutreffend: „Ich werde nicht geschickt, wenn ein Erfolg wahrscheinlich ist. Eine meiner Hauptaufgaben ist es, die Letzte Ölung zu geben, kurz bevor der Patient stirbt." (S.19)
Das Buch stellt ausführlich die Rolle dar, die Walters, stets persönlich anwesend, bei der Vorbereitung jeder, aber auch wirklich jeder Konterrevolution auf der ganzen Welt spielte: sei es der Sturz Mossadeghs im Iran 1953, die Beseitigung Goularts in Brasilien 1964, der Sturz und die Ermordung Allendes in Chile 1973, die Liquidierung der "Nelkenrevolution" in Portugal 1974, der Aufbau konterrevolutionärer Kräfte in Angola 1975, die Hilfe für die Reaktion in Guatemala 1981/85, die Unterstützung der Contras in Nikaragua ab 1981 oder die
höchstpersönliche Beratung von Papst Woytila zugunsten der Solidarnosc ab 1980, bis er 1985-1988 UNO-Botschafter. der USA wurde.
Und nun fragen die Autoren mit vollem Recht: „Allein der Einsatz des Geheimdienst-Generals mit über dreißig Jahren Fronterfahrung bei der weltweiten Durchsetzung der amerikanischen Interventionspolitik, Vernon Walters, als Botschafter in Bonn, hätte in der Führung der KPdSU und des KGB die Alarmglocken schrillen lassen müssen." (S. 165)
Aber, fragt sich der Leser, warum nur in der Führung der KPdSU und des KGB, warum nicht in der Führung der SED und des MfS? Kein Ton darüber. Stattdessen eine wenig befriedigende Analyse der DDR-Niederlage: „Die USA haben seit 1945 immer wieder versucht, die 'Satelliten' der Sowjetunion herauszubrechen, innere Unruhen zu erzeugen oder zu nutzen, nationale und religiöse Gefühle zu verstärken, wirtschaftlichen Druck auszuüben, also das ganze Programm der psychologischen Kriegführung und subversiver Aktivitäten abzuspulen: Das ist ihnen über Jahrzehnte hin nicht oder nur in Ansätzen gelungen - aber auf
einmal funktioniert diese Strategie und führt zum Kollaps des realsozialistischen Systems in Europa: Die Strategie war nicht neu und auch nicht besonders originell, die Akteure waren auf westlicher Seite oftmals noch die gleichen bzw. mit der gleichen Denkart ausgestattet.
Das gehört zu den Fragen über die Ursachen des Zusammenbruchs des Realsozialismus in Europa. Unsere Recherchen zeigen im historischen Abriss die gewaltigen Anstrengungen der imperialistischen Seite, ihre Ziele durchzusetzen. Wir sind aber nicht so lebensfremd, dass wir diese Aktionen als die alleinigen, nicht einmal als die bedeutenderen Ursachen des Scheiterns des Sozialismus in Europa ansehen. Die Zuspitzung der Widersprüche im Inneren der Sowjetunion und der anderen RGW-Staaten öffneten die Einfallstore für die westliche
'Grand Strategy'. Die Verschärfung der inneren Widersprüche wurde sowohl durch das halsstarrige Festhalten der alten Parteibürokraten an alten und falschen Methoden begünstigt, aber ebenso durch die inkonsequenten Vorstellungen der 'Reformer', die meist nur mit pragmatischen Ansätzen ohne eine durchdachte Strategie und Bewertung der Folgen in der Innen- und Außenpolitik agierten. Das öffnete zudem auch jenen Kräften in der Führung dieser Länder den Weg, die sehr schnell ihre Chance in der bedingungslosen Durchsetzung der westlichen Interessen sahen." (S. 18l f.)

War da nicht Condolezza Rice, inzwischen Außenministerin der USA, doch besser informiert? Sie schrieb 1997: "Westliche Beobachter hatten seit langem vermutet oder gespürt, daß viele Ostdeutsche das Regime verachteten oder hassten. Aber diese Verbitterung schien in passive, zynische Resignation umgeschlagen zu sein. Offen kritisch trat nur eine winzige Minderheit auf: Vertreter einer Gegenkultur aus Friedens-, Frauen- und Ökologiegruppen, ein paar Figuren des literarischen Establishments und eine handvoll kritischer marxistischer Intellektueller. Einen gewissen Schutz für ihre Aktivitäten fanden sie in der evangelischen
Kirche, die sich eine stets gefährdete Unabhängigkeit von direkter staatlicher Kontrolle bewahrt hatte. Die Dissidenten blieben jedoch eine Randerscheinung der ostdeutschen Gesellschaft. Wenn es eine Bedrohung des Regimes in Ost-Berlin gab, dann kam sie von reformerischen Kräften innerhalb der SED."(1)
Die Verfasser wollen jedoch anscheinend die Frage „Scheitern der DDR" oder „Konterrevolution" offen lassen. Schade! Denn die politische Biographie Vernon Walters beantwortet sie ja doch wohl höchst eindeutig. Hervorzuheben ist übrigens, daß das Buch durch die klare Unterscheidung von Zitat und Begleittext ungewöhnlich gut lesbar ist.
(1)Rice, Condoleezza/Zelikow, Philip Sternstunde der Diplomatie Die deutschen Einheit und das Ende der Spaltung Buropas, Propyläen 1997. S 69 f.

Klaus Eichner/ Ernst Langrock: Der Drahtzieher. Vernon A. Walters – ein Geheimdienstgeneral des Kalten Krieges. Kai Homilius Verlag, Berlin 2005. 277S., geb., 18 EUR.

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Manfred Bols schrieb in Leipzigs Neue am 25.03. 2005

Übler Vertreter der Geheimdienstzunft

Der Kai Homilius Verlag, der gegenwärtig sein zehnjähriges Bestehen feiert, hat sich zum Ziel gesetzt, an der Herausbildung eines linken aufgeklärten humanistischen Weltbildes mitzuarbeiten. Dabei widmet er sich neben kulturhistorischen Themen insbesondere der Zeitgeschichte. Wichtige Ereignisse jüngeren Datums werden zum Beispiel in der Edition Zeitgeschichte von kompetenten Autoren aufgearbeitet. Bisher sind 19 Bände erschienen, weitere sind in Vorbereitung. Im hier vorliegenden Band 17 beleuchten Klaus Eichner und Ernst Langrock die Karriere des CIA-Generals Vernon Walters, eines geheimdienstlichen Drahtziehers, der im Verlaufe eines halben Jahrhunderts sechs Präsidenten der USA in verschiedener Weise diente. Bei zahlreichen verdeckten Operationen der CIA – in Chile, Portugal und Nikaragua, um nur einige zu nennen – zog er im Hintergrund die Fäden.
Als es 1989 in Europa, wie der damalige Präsident der USA, George H. W. Bush wußte, „ums Ganze” ging, wurde der Konspirateur, der sich bereits im Ruhestand befand, nochmals reaktiviert, um als Botschafter der USA in Bonn bei der Zerschlagung des realen Sozialismus in Europa mit Hand anzulegen.
Die Fakten sind sorgfältig recherchiert, die Missionen des Geheimdienstgenerals werden mit zahlreichen Dokumenten und Zitaten belegt. Von besonderer Aktualitat ist die Beschreibung seiner Nachhilfe beim „stillen Tod” (Condoleezza Rice) der Sowjetunion. Die Kenntnis der geschilderten Zusammenhänge und Methoden ist wichtig für das Verständnis der aktuellen Rolle der CIA bei der Verwirklichung der Weltherrschaftspläne der gegenwärtigen USA-Administration.
Eine größere Sorgfalt hinsichtlich Sprache und Stil ware allerdings wünschenswert gewesen.

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Anja Becker schrieb in H-Soz-u-Kult am 17.05. 2005

keine Biographie

Angaben von Zeitzeugen sind eigentlich ein willkommener Beitrag für den Historiker, besonders dann, wenn andere Quellen nicht vorhanden oder nicht einsehbar sind. Leider nutzt Klaus Eichner diese Chance im vorliegenden Band nicht, sondern weicht mit seinem Co-Autor, Ernst Langrock, der laut Vorwort das Buchprojekt inspirierte, auf subjektive Wertungen aus. Eichner war bis 1990 in der Aufklärung des MfS (Hauptverwaltung A) tätig, zuletzt als „leitender Analytiker auf dem Fachgebiet amerikanische Geheimdienste“, wie der Umschlagtext verrät. 1997 veröffentlichte er als Mitautor „Headquarters Germany“ [1], einen Band über die Geheimdienste der USA in Deutschland während des Kalten Krieges. Langrock war als Chemiker in der DDR und in der UdSSR tätig. Seit 1992 arbeitet er als Publizist. Eichner trug den „Hauptanteil der Mühen“ (S. 14). Im Gegensatz zu „Headquarters Germany“, in dem Eichner Interna preisgibt, die historisch von Interesse sind, ist „Der Drahtzieher“, aus einer überschaubaren Zahl von Primärquellen zusammengeschrieben und mit kurzen Kommentaren von oft subjektivem Charakter versehen. Man vermisst eine ausformulierte These und Argumentation.

Von Anfang an kristallisieren sich Aussagen eher indirekt zwischen den Zeilen heraus. Das Buch stellt keine Biographie im herkömmlichen Sinne dar, sondern möchte eine laut Eichner und Langrock in Vernon Walters personifizierte amerikanische Staatsraison verdeutlichen. Die Einleitung beginnt fulminant mit einem Verweis auf James Bond Spionagefilme, denen immerhin in ihrer „rücksichtslosen und gewalttätigen Art“ ein „weitgehender“ Realitätsbezug zugebilligt wird. Kurz darauf wird Walters „beispielhaft“ als „einer der übelsten Vertreter der Geheimdienstzunft“ vorgestellt (S. 13). Doch statt einer Erklärung, wieso Walters als „übel“ gebrandmarkt wird, erläutert Langrock unmittelbar nach dieser Äußerung, warum er auf die Idee kam, mit Eichner dieses Buch zu schreiben. Walters wird von da an „problematisiert“. Der unkundige Leser tappt allerdings im Dunkeln, warum Walters den Unmut eines ehemaligen MfS-Kaders und eines DDR-Wissenschaftlers weckte. Im Kapitel 1 gibt es weitere Andeutungen: als Walters im April 1989 als Botschafter der USA nach Bonn geschickt wurde, gab Präsident George Bush, Sr., diesem die Worte „es wird ums Ganze gehen“ mit auf den Weg, so zitieren Eichner und Langrock Walters (S. 19). Ein weiteres Zitat von Walters präzisiert dieses „Ganze“ folgendermaßen: „Ich werde nicht geschickt, wenn ein Erfolg wahrscheinlich ist. Eine meiner Hauptaufgaben ist es, die letzte Ölung zu geben, kurz bevor der Patient stirbt.“ (S. 19). Da die Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt nicht im Sterben lag, es jedoch im Ostblock brodelte, so Eichner und Langrock, muss wohl ein anderes Land der „kranke Patient“ sein, der 1989 einer letzten Ölung bedurfte.

In diesem schwerfälligen, indirekten Stil, der suggeriert statt Fakten zu präsentieren, entwickelt sich die Geschichte weiter. Walters’ Karriere wird in den Kapiteln 2 und 3 aufgerollt. Das Fazit aller Beispiele: Walters tauchte seit den späten 1940er Jahren immer gerade dort auf, wo wenig später Regierungen fielen. Wenn der Leser Kapitel 4 erreicht hat, ist ihm klar suggeriert: mit Walters’ Ankunft in der Bundesrepublik im April 1989 muss kurze Zeit später die DDR eine schwere Regierungskrise durchleben. Eichner und Langrock deuten damit an, dass es eine langlebige Politik der Vereinigten Staaten ist, unangenehme Regierungen durch geheimdienstliche Aktivitäten abzusetzen. Diese Aussage ist aus zwei Gründen nicht akzeptabel. Einerseits fehlen im Text weitgehend Verweise auf Dokumente, auch wenn im Anhang einige kommentierte Schriftstücke mit dem Vermerk „Top Secret“ angefügt sind. Diese Dokumente sind aus veröffentlichter Sekundärliteratur abgedruckt und stehen losgelöst vom Text. Andererseits wird nicht bedacht, dass sich zu Zeiten des Kalten Krieges zwei ideologisch gegensätzliche Gegner mit Expansionsdrang gegenüberstanden [2]. So wird es verständlich, dass beide Seiten das Bedürfnis verspüren, sich vor dieser Bedrohung zu schützen. Inwiefern hier Planung und tatsächliche Durchführung von geheimdienstlichen Aktivitäten eine Rolle spielte, sollte allerdings anhand von Primärquellen untersucht werden.

Am Ende des Buches tauchen plötzlich Gedanken auf, die die vorherige Darstellung aufheben. Hat man als Leser erfasst, dass US-Geheimdienste beim Zerfall der DDR eine tragende Rolle gespielt haben sollen, wird dies nun relativiert: „Letzten Endes waren die inneren Widersprüche in der DDR und den anderen RGW-Ländern die Basis für eine ständig anwachsende Volksbewegung, die weit über die eigentliche oppositionelle Bürgerrechtsbewegung hinausreichte und zunehmend auch Mitglieder der noch regierenden sozialistischen/kommunistischen Parteien erfasste.“ (S. 182). Man sieht hier einerseits kurz das Bedürfnis aufblitzen, einen größeren Zusammenhang aufzuzeigen. Doch gelingt es Eichner und Langrock nicht, diesen Gedanken zu entwickeln. Statt dessen ist die auf fast 200 Seiten entwickelte Darlegung aufgehoben, die Beweisführung hat sich selbst überholt. D.h. die Andeutung, dass US-amerikanische Geheimdienste zielgerichtet das Ende der DDR bewirkt haben könnten, wird durch das Zugeständnis ersetzt, dass die DDR von allein zerfiel.

Alles in allem erscheint das Werk unfertig. Oft werden Gedanken nicht in Absätzen entwickelt, stichpunktartig beginnt mit neuen Sätzen viel zu oft eine neue Zeile. Zu oft werden längere Zitate notiert, die dann lediglich subjektiv kommentiert aber nicht sachlich diskutiert werden. Z.B. wird ein längeres Walters-Zitat über Mauerbau und repressiven SED-Staat, dem unmittelbar eine Bemerkung zur erfolgreichen Demokratisierung und Entnazifizierung vermutlich in Westdeutschland folgt, mit dem folgenden Abschnitt abgetan: „Das ist keine Satire, sondern eine der vielen dreisten und schamlosen Lügen, die bis auf den heutigen Tag ihre Wirkung tun. Wer die Geschichte der ‚Aufarbeitung’ der faschistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik auch nur in Ansätzen kennt, wird bei diesem Satz über die ‚mustergültigen Demokraten’ […] zumindest den Kopf schütteln.“ (S. 37-38). Der die DDR-betreffende Teil bleibt unkommentiert, der die Bundesrepublik betreffende Teil wird mit Andeutungen bewertet, ohne konkrete Beispiele auszuformulieren. Auch muss einkalkuliert werden, dass das Demokratieverständnis in Ost und West verschieden war, beide deutsche Staaten jedoch ein demokratisches Selbstverständnis vorgaben. Die Tatsachen sind also wesentlich komplexer als angedeutet wird.

Dennoch distanzieren sich Eichner und Langrock im Vorwort von Verschwörungstheorien [3]: „Es gibt eine ganze Zunft von ‚Verschwörungstheoretikern’, die alle Weltgeschichte“ nur über die „überschätzte“ und „überhöhte“ Rolle von „Geheimdiensten mit Spionageaktivitäten“ darstellen. Dem gegenüber sehen Eichner und Langrock „Politiker, die die Dienste überhaupt nicht ernst nehmen.“ Ihr Fazit: die „Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte“ (S. 13). Leider können Eichner und Langrock mit ihrem Band diesem Anspruch, einen Mittelweg zu gehen, nicht gerecht werden. Sie weisen es von sich, „Amerikahasser“ zu sein. Tatsächlich widmen sie das Buch „allen anständigen Amerikanern in der Hoffnung, daß ihre Zahl ständig wächst“. Doch schließt sich dem unmittelbar der Wunsch an, dass ‚alle anständigen Amerikaner’ „eines Tages solche Politganoven, wie Walters einer war, in die gebührenden Schranken weisen“ (S. 15). Damit begeben Eichner und Langrock sich selbst in eine simple Welt aus schwarz und weiß, gut und böse. Gleichzeitig deutet die Wortwahl „Politganove“ auf stark wertende Aussagen, die sich in der Tat durch das gesamte Buch ziehen. Für den Leser bleibt es bestenfalls eine Enttäuschung.

Anmerkungen:
[1] Eichner, Klaus; Dobbert, Andreas, Headquarters Germany. Die USA-Geheimdienste in Deutschland, 2. korr. Ausgabe, Verlag das Neue Berlin Edition Ost, Berlin 2001.
[2] Nach Ende des Kalten Krieges versucht die Geschichtsschreibung, Motive auf beiden Seiten nachzuvollziehen und zu vergleichen. Z.B. Trahair, Richard C. S., Encyclopaedia of Cold War Espionage, Spies, and Secret Operations, Greenwood Press, Westport (Ct.) and London 2004, S. xviii.
[3] Ein Beispiel für Verschwörungstheorien im Kontext des Kalten Krieges wäre Winer, Stan, If Truth Be Told. Secrecy and Subversion in an Age Turned Unheroic, Antony Rowe, Eastbourne 2003, 2004. Siehe meine Rezension des Werkes in The Journal of Intelligence History, 4. Jahrgang, Heft 2, (Winter 2004), S. 87-88.

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