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Sozialismus im 21. Jahrhundert ![]()
hrsg. von Heinz Dieterich, Hans Modrow, Klaus Steinitz
Erfahrungen aus Vergangenem und Gegenwärtigem – Vorstellungen für die Zukunft
144 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 2007
Politik & Denken Band 5, 9.90 €
Bestell-Nr. 10005
mit Beiträgen von: Joachim Bischoff, Klaus Blessing, Micha Brie, Paul Cockshott, Heinz Dieterich, Christa Luft, Hans Modrow, Klaus Steinitz, Fidel Vascós Gonzalez
Je größer diese Herausforderungen sind, desto klarer wird, das kapitalistische System ist nicht in der Lage, ihnen gerecht zu werden. Damit wird auch deutlich: Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte, eine alternative, über den Kapitalismus hinausgehende Gesellschaft und eine andere Wirtschaft sind notwendig. Fragen einer Alternative zum Kapitalismus stehen wieder auf der Tagesordnung.
In der Einleitung
Unser Zeitalter steht daher unter der Deutung zweier weltgeschichtlicher Vorzeichen: der Erschöpfung der gesellschaftlichen Projekte des Bürgertums und des historischen Proletariats, sowie des Übergangs der gegenwärtigen Bourgeois-Zivilisation zu einer nichtkapitalistischen Weltgesellschaft: der universalen Basisdemokratie.
Heinz Dieterich
Venezuela. Hexenmeister Dieterich. Präsident Hugo Chávez profiliert sich als neue Lichtgestalt der Linken in Lateinamerika. Ein Alt-68er, der einst in Frankfurt studierte, hilft ihm dabei.
Der Spiegel über Heinz Dieterich, 13.3.2005
Der Zeitpunkt unserer Veranstaltungen zum Sozialismus im 21. Jahrhundert ist nicht zufällig. Vor zehn und wahrscheinlich auch noch vor fünf Jahren wäre eine Konferenz der Linken zu diesem Thema kaum möglich gewesen…
Fragen einer Alternative zum Kapitalismus stehen wieder auf der Tagesordnung.
Klaus Steinitz
Unsere Analyse muss eine nachhaltige, kritische sein, die aber auch den Mut herausfordert, gewonnene Erkenntnisse und Erfahrungen zu formulieren, die Teil einer Debatte des Sozialismus im 21. Jahrhundert sein müssten.
Eine Sozialismus-Debatte muss in einer globalen Welt auch global geführt werden.
Hans Modrow
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Als im Januar 2006 anlässlich der Rosa-Luxemburg-Konferenz „Der Sozialismus des 21. Jahrhundert“ von Heinz Dieterich erschien, wurde die Debatte um Modelle einer zukünftigen Gesellschaft in Deutschland wesentlich intensiviert. Man könnte sogar sagen, sie erfasste erstmals breitere interessierte Kreise.
Vorliegender Band entstand aus der Idee heraus, eine Diskussion auch mit all jenen Kräften zu führen, die den Realsozialismus tatsächlich erlebten, ob als Wissenschaftler, als Staatschef, als Politiker, als Minister – eine Diskussion darüber zu führen, welche bewahrenswerten konkreten Erfahrungen in der heutigen Debatte von Nutzen sein könnten. Auch war die Idee getragen davon, über ein halbes Jahr Debatte zum Sozialismus des 21. Jahrhunderts Rückschau zu halten. Welche neuen Erkenntnisse liegen vor, welche Anstöße gibt es, welche Kritik ist zu äußern, welche globalen Veränderungen sind zu analysieren.
Diese Debatte kann nur global geführt werden, wie Hans Modrow meinte. So wurden auf der Konferenz auch Gäste aus Schottland, Kuba und Mexiko begrüßt. Mit letzteren wurde so auch hier die Brücke geschlagen nach Lateinamerika.
zum Anfang
Der wissenschaftlichen Tagung und der Publikation ihrer Ergebnisse lag die Überlegung zugrunde, dass es notwendig ist, die gesellschaftlichen Prozesse und Widersprüche im gegenwärtigen Kapitalismus, unter besonderer Beachtung der Entwicklung in Lateinamerika, verstärkt hinsichtlich der Entwicklungsperspektiven der Menschheit und der hier bestehenden Alternativen zu analysieren und zu diskutieren..
Seit dem Scheitern des Realsozialismus 1989/91 in Europa und verstärkt in den letzten Jahren vollziehen sich tiefgreifende Veränderungen in der Welt, in Europa und in Deutschland, die ein gründliches Nachdenken und eine breite öffentliche Diskussion über einen Sozialismus im 21. Jahrhundert nicht nur möglich, sondern auch dringend nötig machen.
Die Zeit nach dem Ende der Systemkonfrontation wird zunehmend charakterisiert durch die Zuspitzung aller relevanten gesellschaftlichen Widersprüche des Kapitalismus und seine Unfähigkeit, Wege zu ihrer grundsätzlichen Lösung zu gehen. Der Kapitalismus wirft immer mehr die sozialen Schranken ab, deregulierte Marktbeziehungen werden rigoros durchgesetzt, der Finanzmarkt-Kapitalismus mit der Shareholder-value-Orientierung, bei dem kurzfristige Höchstrenditen der Kapitaleigentümer allein bestimmend sind, durchdringt alle Poren des gesellschaftlichen und individuellen Lebens. Damit nehmen die zerstörerischen Tendenzen dieses Wirtschaftssystems auf allen für das Leben der Menschen wichtigen Gebieten zu: Abbau des Sozialstaates und der Demokratie, verstärkte soziale Polarisierung in Arme und Reiche durch Umverteilung von unten nach oben, verfestigte Massenarbeitslosigkeit, Zuspitzung der Umweltkrise, Verschärfung der globalen Auseinandersetzungen bis zu Kriegen um die Erweiterung von Macht- und Einflusssphären, insbesondere um den Zugriff zu Energie- und Rohstoffressourcen, Vertiefung der Nord-Süd-Spaltung der Welt. Die gegenwärtigen Entwicklungstendenzen des Kapitalismus gefährden das heutige Leben von Hunderten Millionen Menschen und die Zukunft der ganzen Menschheit
Aus den sich zuspitzenden Klassengegensätzen zwischen Kapital und Arbeit, der revolutionären Entwicklung der Produktivkräfte, den Umweltbedrohungen, den widersprüchlichen demografischen Prozessen und anderen Veränderungen erwachsen neue Probleme und Anforderungen an eine zukunftsfähige Entwicklung. Je größer diese Herausforderungen sind, desto klarer wird, das kapitalistische System ist nicht in der Lage, ihnen gerecht zu werden. Damit wird auch deutlich: Der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte, eine alternative, über den Kapitalismus hinausgehende Gesellschaft und eine andere Wirtschaft sind notwendig. Fragen einer Alternative zum Kapitalismus stehen wieder auf der Tagesordnung.
In den mehr als 15 Jahren, die seit dem Scheitern des Realsozialismus in Europa vergangen sind, gab es nicht wenige Diskussionen und Publikationen zu den differenzierten und widersprüchlichen Ergebnissen und Erfahrungen des Realsozialismus. Darin haben die wirtschaftlichen Probleme einen zentralen Platz eingenommen. Die Auseinandersetzungen mit dem Realsozialismus können wichtige Erkenntnisse vermitteln, sowohl über deren Defizite und Fehlentwicklungen, über Aufhebenswertes und Weiterzuentwickelndes, als auch über die Vorstellungen, wie ein demokratischer Sozialismus, seine wirtschaftlichen Strukturen und seine Regulierungsweise, aussehen sollte und wie er sich herausbilden könnte. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil aufklärerischer Bildungsarbeit der Linken, die widersprüchlichen Erfahrungen des Realsozialismus gründlich zu diskutieren, um daraus Schlussfolgerungen und Erkenntnisse für eine zukunftsfähige Alternative zum Kapitalismus abzuleiten. Nur dann kann der Diskreditierung der sozialistischen Idee sowie den Verleumdungen und Entstellungen des Sozialismus durch den Antikommunismus entgegengewirkt werden.
Die politischen Prozesse in Lateinamerika, veränderte politische Machtstrukturen in mehreren Ländern zugunsten der Linken und sich abzeichnende Veränderungen auch in den Eigentumsstrukturen durch Verstaatlichung von Bodenschätzen und anderen natürlichen Ressourcen in einigen dieser Länder, tragen dazu bei, das Interesse an einem Sozialismus im 21. Jahrhundert in breiteren Bevölkerungsschichten wieder zu wecken. Sie geben den Diskussionen um einen Sozialismus im 21. Jahrhundert neue, kräftige Impulse.
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