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 Jan von Flocken: Kriegertaten im Kai Homilius Verlag - Startseite

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192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 2009
Zeit- und Militärgeschichte Band 1103, 16.90 €
Bestell-Nr. 11003
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LESEPROBE - Vorwort

Die Frage, durch welche Eigenschaften ein großer Feldherr sich auszeichnet, kann bis heute nicht plausibel beantwortet werden. Legt man den endgültigen Erfolg als Maßstab an, so muß Napoleon ein miserabler Heerführer gewesen sein. Die Schlachten von Leipzig und Waterloo sprechen vernichtende Urteile über ihn. Soll der Kommandeur in allen Lagen den Sieg erstritten haben, dann gehört Friedrich der Große (siehe Kolin oder Kunersdorf ) zu den Versagern. Besteht die Genialität des Feldherren in einsam gefaßten Entschlüssen und Geistesblitzen, müßten im vorliegenden Band drei weitere bedeutsame Gestalten fehlen.
Denn welche Rolle hätte ein Washington ohne Steuben gespielt, was wäre ein Blücher ohne Gneisenau, ein Hindenburg ohne Ludendorff?
In seinen Bemerkungen „Über Kriegslehre“ schrieb Helmuth von Moltke: „Es gibt Feldherren, die keines Rates bedürfen, die in sich selber wägen und beschließen; ihre Umgebung hat nur auszuführen.
Aber das sind Sterne erster Ordnung, deren kaum jedes Jahrhundert einen aufzuweisen hat. In den allermeisten Fällen wird der Führer eines Heeres des Beirats nicht entbehren wollen.“ Unter diesen Gesichtspunkten zählt Napoleon Bonaparte zu den „Sternen erster Ordnung“.
Denn seine Kriegführung wäre auch ohne den Beistand seines beflissenen Generalstabschefs Berthier ebenso erfolgreich verlaufen. Auch ein bombastischer Einzelgänger wie Alexander der Große bedurfte keines Einbläsers, zumindest wissen die zeitgenössischen Quellen keine Namen zu nennen.
Wesentlich schwerer hatten es Führer wie Erwin Rommel oder Karl Dönitz, die während des 2. Weltkrieges mit sehr begrenzten Kräften dank ihrer Flexibilität dem Gegner lange Zeit erfolgreich Paroli bieten konnten. Auch durch bloße Sturheit nebst Gottvertrauen kann ein General Kriege, ja sogar den Lauf der Weltgeschichte verändern, wie das Beispiel George Washingtons beweist. Dabei muß stets einkalkuliert werden, worauf schon Preußens Militärphilosoph Karl von Clausewitz in seinen Untersuchungen über den kriegerischen Genius hinwies: „Der Krieg ist das Gebiet des Zufalls. In keiner menschlichen Tätigkeit muß diesem Fremdling ein solcher Spielraum gelassen werden.
[...] Er vermehrt die Ungewißheit aller Umstände und stört den Gang der Ereignisse.“ Wenn es überhaupt eine schlüssige Theorie der Kriegführung gäbe, so Clausewitz, dann „überläßt sie es dem Feldherren, nach dem Maßstabe seines eigenen Mutes, seines Unternehmungsgeistes, seines Selbstvertrauens zu wählen“.
Inwieweit solche Maximen heutzutage noch Gültigkeit besitzen, sei dahingestellt. Denn der Beruf des klassischen Feldherren ist nach fast 2.500 Jahren ausgestorben. Eine hypertechnisierte Umwelt mit Wunderwaffen, die angeblich nichts mehr dem Zufall überlassen, engt jede strategisch-taktische Phantasie ein. Willkürliche Eingriffe der Politik in die Kriegführung zeigen sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts in immer stärkerem Maße. Nach 1945 ist der Feldherr endgültig zum Erfüllungsgehilfen herabgesunken. Große Führer werden allmählich rar, ein Douglas MacArthur in Korea, General Nguyen Giap während der Vietnamkonflikte oder Norman Schwartzkopf im Golfkrieg sind nur mehr militärische Marginalfiguren.
Es hat sich jene Glaubensrichtung durchgesetzt, welche der französische Politiker Georges Clemenceau bereits 1917 formulierte: „Der Krieg ist eine viel zu ernste Angelegenheit, als daß man sie den Generalen überlassen dürfte.“ Zweieinhalb Jahrtausende vor ihm kam freilich Thukydides zu einer anderen Schlußfolgerung. Dieser gelehrte griechische General verfaßte um 410 v. Chr. das erste militärgeschichtliche Kompendium der Menschheit. Gleich zu Beginn seiner Schilderung betont Thukydides, „daß es in jedem Krieg angesichts der Natur des Menschen immer wieder genauso oder doch so ähnlich wie vorher zugehen wird“.

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