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Übernachten am Panoramaweg in Werder


erschienen am 11.03.15

Die Pearl Harbor Lüge

Die Pearl Harbor Lüge

Jan von Flocken
Tatsachenreport
2. unveränderte Auflage 2015, 9.90 €


erschienen am 29.04.09

Der Stalin-Anschlag

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Jan von Flocken
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erschienen am 21.03.07

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Jan von Flocken
Tatsachenreport
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Die Pearl Harbor Lüge

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2. unveränderte Auflage 2015,

9.90 €


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 Jan von Flocken: Die Lincoln-Verschwörung im Kai Homilius Verlag - Startseite

Startseite > Gesamtverzeichnis > Tatsachenreport > Die Lincoln-Verschwörung

Die Lincoln-Verschwörung
von
Jan von Flocken
160 Seiten, Hardcover, 2007
Tatsachenreport Band 1, 9.90 €
Bestell-Nr. 03001
Direkt beim Verlag bestellen

Jan v. Flocken: Im Interview bei NuoViso

Es ist im wahrsten Sinne eine Lehrstunde in Geschichte. Wer Jan von Flocken noch nicht kennt, dem sei das ca. 70-minütige Interview bei NuoViso wärmstens empfohlen.

Der Mord an US-Präsident Abraham Lincoln 1865 war die Tat
fanatischer südstaatlicher Terroristen, die sich für ihre Niederlage
im Bürgerkrieg rächen wollten. So lautet die offizielle Version.
Doch 21 Jahre nach dem Attentat fällt diese Theorie in sich zusammen.
Zwei Ermittler, der gewissenhafte Steven Baronet und der
geheimnisumwitterte Detektiv „Xy“, gehen 1886 den Spuren des
blutigen Falles nach. Was sie herausfinden, ist so brisant, daß es
die Grundfesten des politischen Systems der USA zu erschüttern droht.

*

Die Rahmenhandlung ist Fiktion, aber Fakten, Personen, Dokumente und Schauplätze des Dramas sind authentisch. Sie werden allerdings bis heute in den Geschichtsbüchern verschwiegen.

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Die Pearl Harbor Lüge

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2. unveränderte Auflage 2015
Tatsachenreport

Der Stalin-Anschlag

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Jan von Flocken
Tatsachenreport

LESEPROBE


„Darum bitte ich, ihr wollt diese Schrift freundlich aufnehmen
und mit Fleiß lesen und uns zugute halten,
wenn wir etwa in einigen Worten unrecht haben.
Denn wir gaben uns alle Mühe,
die Wahrheit recht herauszufinden.“ 

DAS BUCH JESUS SIRACH, Vorrede, Vers 5

***

P R A E L U D I U M

 

„Und sie fuhren hinunter lebendig in die Hölle
mit allem, was sie hatten
und die Erde deckte sie zu.“

DAS 4. BUCH MOSE, Cap. 16/33

***

Das Letzte, was die Witwe Mary Surratt in ihrem bescheidenen Leben erblickte, war ein schwarzer Sonnenschirm. Fürsorglich wurde er der 42jährigen vor das Gesicht gehalten, um sie vor dem gleißenden Sonnenlicht zu schützen. Es war mörderisch heiß an diesem 7. Juli 1865 im Hof des Gefängnisses „Old Penitentiary“ in Washington, DC.

Anders als dem gaffenden, schwitzenden Publikum und der angetretenen Army-Kompanie wollte man der Todeskandidatin die größte Hitze ersparen. Auch der bedrohliche Anblick des Galgengestells mit den vier Schlingen aus zwei Zentimeter dickem solidem Hanf blieb ihr verborgen, denn von hinten stülpte ein Henkersknecht mit geübter Bewegung ihr einen Sack aus Leinwand über den Kopf. Generalmajor David Hunter ließ seine schneidende Stimme ertönen und verlas noch einmal die Todesurteile des Militärgerichts.

Die Witwe spürte, daß die hölzerne Falltür unter ihren Füßen nachzugeben drohte. Sekundenbruchteile bevor ihre Halswirbel unter der Last des Körpers zerbrachen, stieß sie das Wort heraus, welches sie in den vergangenen Wochen immer wieder anklagend gerufen hatte: „WARUM!

E B E N E

„Da wurden alle Gelehrten
des Königreiches hereingebracht,
aber sie konnten weder die Schrift lesen,
noch eine Deutung anzeigen.“

DER PROPHET DANIEL, Cap. 5/8

*

Anständige Männer greifen vor 12 Uhr mittags niemals zum Schnaps. Steven Baronet war zweifellos ein anständiger Mann. Darüber hinaus 49 Jahre alt, glücklich verheirateter Vater zweier Töchter und Beamter im US-Innenministerium. Die Uhr in seinem Dienstraum zeigte exakt 11.45 Uhr. Und hinter einer Doppeltür aus massiver Kentucky-Eiche wartete auf ihn beharrlich eine flüssige Versuchung. Der Februar 1886 durchpflügte die Hauptstadt Washington mit matschigem Schneeregen und Baronet mußte unwillkürlich an seinen alten College-Kumpan Fred Myers denken, der jetzt sicher gemütlich unter karibischer Sonne saß.
 
Ungefähr vor einem Jahrzehnt hatte dieser verrückte Südstaatler die USA Richtung Jamaica verlassen. Auf dieser Karibik-Insel in der Gegend von Kingston, so sein heiliger Vorsatz, werde er eine Revolution entfachen. Kurzum, Myers wollte Rum brauen und zwar den besten der Welt. Um diesen meist übelriechenden Seeräuberfusel eine Edelvariante entgegenstellen zu können, war der unermüdliche Fred zahllose Kilometer durch Zuckerrohrplantagen geritten, hatte Destillierverfahren studiert, Schnapsbrennereien beobachtet, nur um schließlich eine baufällige Klitsche vor den Mauern von Kingston zu kaufen und dort mit Hilfe einiger halbwegs anstelliger Neger seinen „Myers’s Rum“ aus der Taufe zu heben.

Gleich von der ersten Charge hatte Baronet 1879 eine dichtvernagelte Kiste per Expreß bekommen. Dieses von rubinrot ins tiefbräunliche changierende Gebräu zählte zum Besten, was einem Kenner trinkbar schien. Hinfort sprach Baronet allem Rum aus Kuba, Westindien oder Honduras seine Existenzberechtigung ab. Die im Jahresrhythmus gelieferten ovalen „Myers’s“-Flaschen hingegen genossen Weihestatus und wurden nur intimen Freunden zuliebe entkorkt. Oder wenn guter Rat sehr teuer schien.

Vor 22 Jahren etwa hätte er eine Feldflasche voller „Myers’s“ gut gebrauchen können, als ein Granatsplitter seinem Kommandeur Lucius Quintus Cincinnatus Lamar in der Schlacht am Chickamauga River zwei Finger der linken Hand weggerissen hatte. Er war grausam blutend aus dem Sattel gefallen und konnte nur noch „Weiter ins Zentrum!“ stöhnen. Baronet, sein letzter unverwundeter Adjutant, hatte diesen Befehl instinktiv erfaßt, zwei Georgia-Regimenter zum Angriff fortgerissen und mit ihnen die verfluchten Yankees zu hunderten niedergemacht. Damals waren die Soldaten der Südstaatenarmee Helden, die für eine Unabhängigkeit ihres Vaterlandes kämpften. Aber zwei Jahrzehnte später erinnerte Baronet nur noch eine bei Wetterwechseln tückisch pochende Schußwunde am rechten Knöchel an die Jahre des Bürgerkrieges von 1861 bis 1865.

So war es zumindest bis vor zwei Stunden gewesen. Seither hatte Ex-General Lamar, nunmehr Innenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, die ganze blutige Aura dieses Krieges erneut wachgerufen. Heikle Aussichten standen bevor. Alte Wunden würden wieder aufbrechen, die Nation sich aufs Neue zerfleischen, Norden und Süden einander noch inbrünstiger hassen. Steven Baronet war die tragende Rolle in diesem Drama vorbehalten und er beschloß, sich trotz der noch jungfräulichen Tagezeit ein Glas „Myers’s“ zu genehmigen. Dadurch beflügelt würde er Xy konsultieren, das genial-arroganteste Faktotum in Washingtons Informantenszene. Denn wenn überhaupt jemand ihm sachdienliche Hilfe bieten konnte, dann dieser Buchstabenmann. Baronet griff zu einem seiner bevorzugten Romane, Alexandre Dumas’ „Graf von Monte Christo“. Der letzte Satz dieses Buches enthielt, so fand er, einen profunden Trost:

Alle menschliche Weisheit liegt in den beiden Worten: Abwarten und hoffen.

*

„Minister Lamars Familienleben ist wirklich kein großes Geheimnis“, dozierte Xy am Vormittag während ihrer ersten Zusammenkunft. Ausnahmsweise verzichtete er auf sein gewohnt süffisantes Grinsen. „Althea Lamar liegt im Sterben und ihr Ehemann Lucius ist am Boden zerstört, ein Jammer.“

Baronet blickte auf seinen Kleiderständer. Dort hingen Filzhut und Mantel des Detektivs, trieften vor Nässe und zeichneten ein wäßriges Ornament auf den frischgebohnerten Fußboden. „Wir haben einen Auftrag des Innenministers der Vereinigten Staaten zu erledigen, Xy. Private Belange gehen uns überhaupt nichts an.“

Das war zumindest eine Notlüge, denn Baronet wußte genau, daß die Privatangelegenheiten der Lamars hier eine entscheidende Rolle spielten. Er sah die junge Provinzschönheit Althea Lincoln aus Indiana vor sich, strahlend, weißhäutig, das Gesicht umrahmt von blauschwarzem Haar. Ihre Hochzeit mit dem umtriebigen Advokaten Lucius Quintus Cincinnatus Lamar hatte er als Trauzeuge erlebt. Und nun, fünf Kinder nebst drei Fehlgeburten später, geplagt durch die Lungenschwindsucht, war von ihrem Liebreiz nicht mehr viel übrig. Auch ihr Geist hatte sich verdüstert. Immer öfter beschwor sie die Gestalt ihres Onkels Abraham Lincoln herauf, jenes allseits beliebten „Old Abe“, der mit ihr als Kind Verstecken gespielt hatte und den sie an einem Apriltag 1865 blutüberströmt in einer Theaterloge zusammensinken sah.

Dieses Bild quälte, marterte, bescherte zahllose unruhige Nächte. „Ich werde bald sterben“, flüsterte sie ihrem Ehemann immer wieder ins Ohr. „Und vor meinem Tod will ich wissen, wer wirklich hinter diesem Attentat steckt. Die Geschichte vom durchgedrehten Einzeltäter aus den Südstaaten hängt mir zum Hals heraus, Lucius. Du kennst alle Gerüchte, alle Verdächtigungen, alle Vertuschungsmanöver der letzten Jahre. Mach reinen Tisch, jetzt wo die Demokraten endlich wieder am Ruder sind! Erfülle einer Sterbenden ihren letzten Wunsch.“ Vor zehn Monaten erst hatte Präsident Grover Cleveland ihn zum US-Innenminister ernannt. Nun, nach einem Vierteljahrhundert Diktatur der Republikanischen Partei, schien sein Augenblick der Wahrheit unerbittlich gekommen. Die Lincoln-Akte mußte wieder geöffnet, Versäumnisse der Vergangenheit nachgeholt werden.

Lamars listigen Einwand, eine derartige Untersuchung falle eher unter die Kompetenz des Justizministeriums, wischte Althea beiseite. „Dein guter Freund Augustus wird Dir bestimmt keinen Stein in den Weg legen.“ Tatsächlich war Justizminister Augustus Hill Garland ein umgänglicher Gentleman aus Tennessee, der es nicht ungern sah, wenn andere seine Arbeit erledigten. Seufzend versprach Lamar, die Lincoln-Affäre erneut aufzurollen, in höchster Diskretion natürlich. Er mußte zugeben, wie sehr ihn seit Jahren grassierende abenteuerliche Spekulationen über die Hintergründe des Attentats ärgerten. Wenn man nach einer exakten Prüfung des Geschehens allen Gerüchteverbreitern und Wichtigtuern ihre Halbwahrheiten ins Maul stopfen konnte, war es den Versuch wert.

Am folgenden Tag bat er seinen Adlatus Steven Baronet zu einem folgenschweren Gespräch. Es dauerte 42 Minuten – als ehemaliger Mathematik-Professor an der Universität von Mississippi hatte sich Lamar exakte Zeitaufzeichnung zum Prinzip gemacht – und endete mit der Übergabe eines mausgrauen Aktenkonvoluts. „Sie haben doch früher Vorlesungen über Logik besucht“, schloß der Minister. „Dann sollten Sie wissen, was ein Dilemma ist.“ Baronet spielte den verbalen Ball zurück. „Wenn ein Mann nur zwei Möglichkeiten besitzt und beide Möglichkeiten sind unmöglich, dann nennt man das ein Dilemma, Sir.“ Die beiden lächelten hinter dem Vorhang ihre buschigen Bärte – verständnisinnig und irgendwie hilflos.

*

...


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