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Startseite > Gesamtverzeichnis > Zeit- und Militärgeschichte > GEHEIMDIENST, POLITIK und MEDIEN
GEHEIMDIENST, POLITIK und MEDIEN ![]()
von Erich Schmidt-Eenboom
Meinungsmache UNDERCOVER
400 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 2004
Zeit- und Militärgeschichte Band 16, 24.80 €
Bestell-Nr. 08016![]()
Geht
es um mögliche Verstrickungen deutscher Medien mit östlichen
Geheimdiensten wie MfS oder KGB, so ist das öffentliche Interesse
oft riesig. Merkwürdig ruhig ist es dagegen, wenn die Verbindungen
zum Bundesnachrichtendienst dokumentiert werden.
Erich Schmidt-Eenboom
als versierter Fachmann mit Geheimdiensten vertraut, hat in den letzten
Jahren intensiv dazu recherchiert. Er ist dabei auf einige Hundert neue
Geheimdienstdokumente zum Thema des Buches gestoßen. Sie erlauben
es, so manche Story über die Verquickung von BND und Medien fortzuschreiben,
aber auch über völlig neue Fälle zu berichten, wie die
Ausforschung von Gustav Heinemann.
Exakter noch als vorher
war es ihm nunmehr möglich, das stille Miteinander – in anderen
Fällen das auch verschwiegene Gegeneinander – von Bundesnachrichtendienst
und Medien zu analysieren. Neben den Porträts einzelner Medien und
Personen ist es ihm so möglich, die Methoden, Sachzusammenhänge
und illustrierten Typologien nachrichtendienstlich-medialer Arbeit darzustellen
und ein weiteres Stück Zeitgeschichte zu schreiben.
Meinungsmache UNDERCOVER eben.
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Andreas Förster schrieb in Berliner Zeitung am 02.09. 2004
Nach all den mitunter etwas detailverliebt geschilderten Fällen zieht
der Autor ein düsteres Fazit: "Die PR-Holding Pullachs reichte in
den Gründerjahren der Bundesrepublik weit in alle Medienbereiche hinein
und wirkt bis heute nach - teils als Strategie der Behörde selbst, teils
als quasi private Aktivität führender Köpfe in Pullach."
Probleme, Journalisten als "Wasserträger" zu gewinnen, habe
der BND nie gehabt. Viele hätten sich sich aus eigenem Antrieb an den
Geheimdienst gewandt und sich mit der "Ware Information" vergüten
lassen. "Vom einzelnen BND-Geheimbericht bis zur kompletten Materialsammlung
für gewogene Buchautoren reichte die Palette der Zuwendungen, die ihren
Empfängern oft genug erlaubten, sich journalistische Meriten zu verdienen."... zum Anfang
Klaus Eichner schrieb in Neues Deutschland am 28.10. 2004
Wer das spannungsgeladene und widerspruchsvolle Beziehungsgeflecht zwischen
Geheimdiensten, Politik und Medien untersuchen und darstellen will, der kann
das aus theoretisch-philosophischer Sicht tun oder auf der Grundlage von sauber
recherchierten und beeindruckend dokumentierten Fakten. Letzteres demonstriert
Erich Schmidt-Eenboom mit seinem neuen Werk »Geheimdienst, Politik und
Medien« eindrucksvoll. Obwohl es sich auf Materialien seines 1998 erschienen
Buches »Undercover – Der BND und die deutschen Journalisten«
stützt, geht es doch weit über diese Publikation hinaus –
sowohl hinsichtlich der Quellenlage als auch der Breite und Neuordnung der
untersuchten Sachverhalte, einschließlich einiger bedeutsamer Fälle
mit CIA-Hintergrund.... zum Anfang
Schon
in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden für den Aufbau des ersten
deutschen Auslandsnachrichtendienstes Journalisten rekrutiert. „Weil
Presseleuten immer und überall das Recht zuerkannt wird, zu fragen,
geben sie ein unverdächtiges Personal ab für einen geheimen
Observationsdienst, zumal sie die Fähigkeit besitzen, verständlich
darzustellen und Tatsachen von bloßen Gerüchten zu scheiden.“,
so Bismarcks Geheimdienstchef Stieber in seinen Memoiren.
Die Frage
steht, was Journalisten in so unvergleichlicher Weise interessant und
nützlich für die Nachrichtendienste macht. Warum sind sie
wie kein anderer Berufsstand Objekt der Begierde der staatlichen Geheimbehörden
– oft gerade dann, wenn diese Dienste ihrerseits Objekt ihrer
Recherche und Berichterstattung sind? Was verbindet den Agenten mit
dem eifrigen Reporter? Und was trennt sie? Was erlauben sich dabei die
Geheimdienste, und was ist einem Angehörigen der „vierten
Gewalt“ dabei erlaubt?
In der
Bundesrepublik gehört es zum Berufsethos der Journalisten, eine
strikte Trennung und Abgrenzung zu den Geheimdiensten zu wahren. Aber
wie steht es wirklich um die Trennung von Geheimdiensten und Medien?
Dass die Verbindungen der geheimen Dienste in die Medien bis hinein
in die Chefredaktionen vielfältig sind, konnte der Autor bereits
in der Erstauflage dieses Buches 1998 zeigen.
Die zahlreich aufgetauchten neuen geheimen Dokumente, erlauben es Schmidt-Eenboom
nicht nur so manche Story fortzuschreiben, sondern auch ganz neue Fälle
aufzunehmen. In vorliegendem Band gelingt es ihm so erstmals, auch analytisch
zu Methoden und Zielen der Einflussnahme Stellung zu nehmen.
Dass die
Organisation Gehlen und der BND im Dreieck von Geheimdienst, Politik
und Medien auch verfassungswidrig im Inland spioniert und agitiert haben,
zeigt insbesondere das neue Kapitel über Gustav Heinemann.
Gleich
zwei Kapitel sind der Einflussnahme der CIA auf hiesige Publizisten
gewidmet, deren „Medienarbeit“ schon 1947 noch vor der Gründung
der Bundesrepublik begann. Dass bei der Gründung von amnesty international
Geheimdienste Pate gestanden haben, wird deutlich herausgearbeitet.
Dass eine der Mitbegründerin, Carola Stern, jahrelang für
die CIA tätig war, gehört zu den dunklen Seiten ihrer Vergangenheit
1 Spione und Journalisten - gleiche Brüder, andere Kappen?
2 Verbotene Früchte?
3 Der Journalist als Spion
4 Die Büchse der Pandora
5 Die BND-Dienststelle 923
6 Die Gräfin und der General – Zeit-Sprünge
7 Der beste Nachrichtendienst – SPlEGEL-Affären
8 Die ganze Palette – Peter Stähle
9 Sir Henri – ein Josephsgrenadier greift nach den Sternen
10 Die Quick im Focus
11 Ein Doppelagent wird verbrannt – Der Fall van Nouhuys
12 Springer auf die Sprünge helfen
13 Alte Kameraden – Nachkriegskarrieren bei Christ und Welt
14 Hauspostille – der Münchner Merkur
15 Geben und Nehmen – Deals mit dem BND
16 Pole und Gegenpole – Die Süddeutsche Zeitung
17 Der Feind im eigenen Haus – BND contra BfV
18 Gescheiterte Rekrutierungen – Nicht jeder will, nicht jeder darf
19 Kleine und große Happen – Der BND bittet zu Tisch
20 Vom Rabenwirt und Rabenvätern – Udo Ulfkotte
21 Schnittstellen – das politische Umfeld
22 Des Kanzlers Munitionsanstalt – Gustav Heinemann und sein Umfeld
im Visier der Dienste
23 Andere Tabuzonen
24 Nachrichtenfabriken – Rohstoffe aus Pullach
25 Ein Roter Brief tiefschwarz
26 Die achte Großmacht – Hörfunk
27 An ferne Ufer – Deutsche Welle und Deutschlandfunk
28 Mit dem Zweiten zielt man besser – Das ZDF
29 Befragungsstellen – aber keine Antworten
30 Gute Bücher - der BND als Mäzen
31 Schlechte Bücher – der BND als Zensor
32 Kulturelle Freiheit – Publizisten für die CIA
33 Auf einem anderen Stern – ein vorläufiger Epilog
Anmerkungen
Danksagungen
Personenregister
zum Anfang
Was
macht eigentlich Journalisten in so unvergleichlicher Weise interessant
und nützlich für die Nachrichtendienste? zum Anfang
Warum sind sie wie
kein anderer Berufsstand Objekt der Begierde der staatlichen Geheimbehörden,
oft gerade dann, wenn diese Dienste ihrerseits Objekt ihrer Recherche
und Berichterstattung sind?
Was verbindet den
beflissenen Spion mit dem wissensdurstigen Medienmenschen, und was trennt
den heimlichen Späher vom öffentlichen Beobachter?
Was erlauben sich
dabei die Geheimdienste, und was ist einem Angehörigen der vierten
Gewalt dabei erlaubt?
Eine erste Antwort
auf diese Fragen finden wir für deutsche Verhältnisse bei Wilhelm
Stieber, denn die Rekrutierung von Journalisten zur Spionage hat in Deutschland
nicht nur eine lange Tradition, sie war sogar maßgeblich für
den Aufbau des ersten deutschen Auslandsnachrichtendienstes.
Reichskanzler Otto
von Bismarck hatte im Jahr 1863 den Berliner Polizeidirektor Stieber mit
der Einrichtung eines Kundschafterdienstes gegen den kommenden Kriegsgegner
Österreich beauftragt.
Als klandestine Dachorganisation
für diese Aufgabe wählte Stieber das Telegraphen-Bureau des
Dr. Wolff, das anstelle der britischen Konkurrenz der Reuter’schen
Telegraphen-Compagnie in Preußen als Nachrichtenagentur privilegiert
worden war. Anstelle vereinzelter Späher setzte der zum „Spion
des Kanzlers“ berufene Polizeioffizier auf „eine ganze Armee
unermüdlicher Beobachter“ eingebettet in ein Residentennetz.
In seinen Memoiren
dokumentierte Bismarcks Geheimdienstchef die Überlegungen, die ihn
veranlasst hatten, dabei vor allem auf die schreibende Zunft zu setzen:
„Weil Presseleuten
immer und überall das Recht zuerkannt wird, zu fragen, geben sie
ein unverdächtiges Personal ab für einen geheimen Observationsdienst,
zumal sie die Fähigkeit besitzen, verständlich darzustellen
und Tatsachen von bloßen Gerüchten zu scheiden. Selbst secreteste
Wirtschafts- und Militärthemen können Presseleute völlig
unbehelligt eruieren, ja sie kennen oft genug hohe Politiker und Militärs
so freundschaftlich, dass jene in ihrer Gegenwart aus ihrem Wissen kein
Hehl mehr machen …
Ich rate deshalb,
dass meine Residenten, sofern sie nicht selber Männer der Presse
sind, solche mindestens anwerben, ohne dass jene die wahre Verwendung
der von ihnen gelieferten Nachrichten erfahren … In summa: Man kann
gar keine täuschendere Maske erfinden für einen geheimen Erkennungsdienst
als ein das Land überziehendes System vermeintlicher Presse-Berichterstatter.
Denn die Privilegierung auch noch des letzten von ihnen, die Titulierung
'Zeitungsreporter’ erweisen sich als wahres Sesam-Öffne-Dich
selbst dort, wo ein gewöhnlicher Sterblicher niemals Entrée
erhielte“.