
Augenzeugenberichte über den Serbozid im „Unabhängigen Staat Kroatien“ 1941 – 1945
Djuro Zatezalo hrsg. von Vladimir Umeljić
Zeit- und Militärgeschichte
24.80 €

Vom Kosovokrieg bis heute
Zivojin Dacic
Zeit- und Militärgeschichte
24.80 €

Karl Heinz Schulmeister
Zeit- und Militärgeschichte
19.90 €

Erich Buchholz
Zeit- und Militärgeschichte
149.00 €

1990 bis 1996
Zivojin Dacic
Zeit- und Militärgeschichte
24.80 €

Direkte Demokratie, selbstbestimmte Steuern, Neutralität
hrsg. von Jürgen Elsässer, Matthias Erne
COMPACT
3. bearbeitete und ergänzte Auflage 2010,8.80 €

Über die unheimliche Zusammenarbeit von Faschisten und Zionisten
Lenni Brenner
Zeit- und Militärgeschichte
24.80 €

Sonderweg eines unverbesserlichen Volkes?
Domenico Losurdo hrsg. von Jürgen Elsässer
COMPACT
7.50 €

Politisch unkorrekte Streifzüge durch die Geschichte der Deutschen
Jan von Flocken
Kulturgeschichte
9.90 €

Fakten, Hintergründe, Probleme
Siegfried Prokop
COMPACT
7.50 €

Über Zivilcourage in der DDR
Marco Hecht, Gerald Praschl
Zeit- und Militärgeschichte
9.90 €
Startseite > Gesamtverzeichnis > Zeit- und Militärgeschichte >Im Fadenkreuz: Kuba > Auszüge
Im Fadenkreuz: Kuba ![]()
von Horst Schäfer
Der lange Krieg gegen die Perle der Antillen - Mit Geheimdokumenten aus US-Archiven belegt.
324 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 2005
2. überarbeitete Nachauflage Auflage
Zeit- und Militärgeschichte Band 18, Alter Preis 18 €, neuer Preis: 7.95 €
auch verfügbar als: Taschenbuchausgabe
Bestell-Nr. 08018![]()
Der verdeckte und offene Krieg der USA gegen Kuba dauert schon länger
als ein halbes Jahrhundert, denn er begann nicht erst nach der Revolution
von 1959. Und er geht weiter. Auch der wieder gewählte Präsident
George W. Bush ist dafür ein Garant.
Dieses Buch wird die Politik der größten Militärmacht
der Erde, die seit vielen Jahrzehnten über ein kleines Land den
Belagerungszustand verhängt hat, vorwiegend an Hand früher
streng geheimer Original-Dokumente aus US-Regierungs-Archiven nachzeichnen.
Hunderte Akten von CIA, Außenministerium und Weißem Haus
sowie Untersuchungsberichte des US-Kongresses sind dafür die Hauptquellen.
Hunderte von vielen Tausend, die bisher nicht freigegeben wurden. Dazu
kommen die offiziell zugänglichen Gesetze sowie Verordnungen des
US-Kongresses und mehrerer Präsidenten über die Boykott- und
Blockadepolitik gegen Kuba.
Elf Jahre lang konnte ich US-Politik aus der Nähe beobachten.
Ich arbeitete als Journalist in den USA, 1971/72 in Kalifornien, von
wo ich unter anderem über den Prozess gegen die Bürgerrechtlerin
Angela Davis berichtete, und zwischen 1975 und 1987, mit einer kurzen
Unterbrechung, in Washington als akkreditierter Korrespondent bei der
US-Regierung, Angehöriger des Presse-Korps des Weißen Hauses
sowie bei den Vereinten Nationen in New York.
Die Berichterstattung über die Kongressuntersuchungen 1975 zum
Mordterror der CIA gehört zu den interessanten und gleichzeitig
bedrückenden Erlebnissen am Anfang meiner Korrespondenten-Tätigkeit
in Washington. Es war mein erster Einblick in die Abgründe einer
Politik, für die auch Präsident Kennedy verantwortlich war.
Zwölf Jahre zuvor, am Tag von Kennedys Ermordung, hatte ich im
Prinzregentenstadion in München einem Eishockey-Länderspiel
zugesehen, als die Schreckensnachricht verkündet wurde. Nach diesem
Terroranschlag am Abend des 22. November 1963 gehörte ich zu denen,
die das Gefühl hatten, dass die Welt um eine Hoffnung auf Frieden
und Entspannung ärmer geworden war.
Im Dezember 1975 publizierte der US-Senat seinen Bericht über
die Morde und Mordversuche an ausländischen Staatsmännern.
Im so genannten „Mordreport“ werden nicht weniger als acht
CIA-Attentatsversuche auf Fidel Castro und viele Sabotage- und Terroraktionen
gegen Kuba in allen Einzelheiten dokumentiert. Auch Kennedy war zu dieser
Zeit einer der Präsidenten.
Der Ausschussvorsitzende Senator Frank Church (Demokraten) stellte
die Dokumentation am 4. Dezember 1975 im Sheraton-Hotel in Washington
auf einer Veranstaltung der Organisation „Pacem in Terris“
- auch der Buchautor war dabei - mit den Worten vor: „Jahrelang
versuchten wir, Fidel Castro und andere kubanische Staatsmänner
zu ermorden. Die verschiedenen Anschläge verteilten sich über
drei (US)-Regierungen und schlossen eine ausgedehnte Zusammenarbeit
zwischen CIA und Mafia ein.“ Der vom Ergebnis der monatelangen
Untersuchungen sichtlich betroffene Politiker sprach von einem „Sumpf
der (US)-amerikanischen Außenpolitik“.
Dieser Sumpf wurde trotz der Versprechungen vieler und der sicher guten
Absichten einiger Politiker nie trocken gelegt. Die Reaktion der USA
auf den 11. September 2001 war erneut Anlass, mich mit der Außenpolitik
Washingtons zu befassen, mit den Invasionen, Interventionen, Drohungen,
verdeckten und offenen Kriegen, also mit dem US-Staatsterrorismus. Bei
der Durchsicht von Dokumenten des US-Geheimdienstes CIA stieß
ich immer wieder auf die völkerrechtswidrigen Operationen gegen
Kuba. Viele der Dokumente waren erst in den letzten Jahren – einige
sogar erst 2004 – freigegeben worden, unter anderem nach Klagen
des „National Security Archive“ an der George Washington
Universität in der US-Hauptstadt.
Zu den für dieses Buch ausgewerteten Dokumenten gehören neben
dem „Mordreport“ auch Akten über die Invasion in der
Schweinebucht, der „Operation Mongoose“ zum Sturz der Regierung
Kubas, der CIA-Bericht über einen möglichen Zusammenhang der
„Komplotte zur Ermordung von Fidel Castro“ mit dem Mord
an Kennedy (der erfolgte, als Kennedy gerade begonnen hatte, seine Politik
gegenüber Kuba zu revidieren) sowie der Plan „Operation Northwoods“,
mit dem der US-Generalstab durch abenteuerliche Provokationen einen
Krieg gegen Kuba initiieren wollte.
Jede Geschichte hat ihre Vorgeschichte. Im ersten Kapitel werden daher
die „besonderen Beziehungen“ der Vereinigten Staaten zu
Kuba bis zur Revolution 1959 beschrieben. Die 25 Jahre bis 1958, in
denen die US-Marionette Fulgencio Batista in Kuba herrschte, spiegeln
sich in Dokumenten des Außenministeriums und ab den 50er Jahren
auch der CIA wider. Viele der Schriftstücke tragen den Aufdruck
„Eyes Only“, „Streng Geheim“ oder „Nicht
für Ausländer“.
Doch Terror und Boykott gegen Kuba sind nur ein Teil der staatsterroristischen
Politik der USA. Daher ist dem Buch eine Einleitung vorangestellt, die
einen Überblick über die imperiale und imperialistische Politik
der Vereinigten Staaten bietet, um die Kuba-Politik in die Gesamtpolitik
der USA einzuordnen. Sie beschreibt auch, wie US-Geheimdienste ihre
gegen das sozialistische Kuba angewandten Terrormethoden schon zuvor
ausprobierten, so 1953 in Iran und insbesondere 1954 in Guatemala. Der
CIA-Staatsstreich in Guatemala ist geradezu ein Muster für den
Invasionsversuch in Kuba sieben Jahre später. Nach diesen Beispielen
gingen die USA auch 1973 in Chile, Anfang der 80er Jahre in Nicaragua
und 2002 in Venezuela vor. Das Einleitungskapitel beschreibt weiterhin
die Rolle der CIA bei der Ermordung des kongolesischen Ministerpräsidenten
Lumumba, des chilenischen Generals Schneider sowie der Diktatoren und
lästig gewordenen US-Freunde Diem und Trujillo.
Der Terror gegen Andersdenkende in den USA spielte bei den Untersuchungen
des Church-Ausschusses ebenfalls eine Rolle, denn die Politik des Staatsterrorismus,
so gegen Kuba, hatte früher und hat insbesondere gegenwärtig
in den Vereinigten Staaten Auswirkungen auf die demokratischen Rechte
der eigenen Bürger. Wer andere Völker unterdrückt, unterdrückt
auch das eigene Volk. Das wird insbesondere am Beispiel der Verfolgung
des Bürgerrechtlers Martin Luther King deutlich.
Eine weitere Anregung für dieses Buch waren die Erlebnisse auf
einer dreiwöchigen Kuba-Reise im Dezember 2003. Wie immer bei Touristenreisen
hat man viele, wenn auch sicher zumeist nur oberflächliche Eindrücke.
Dennoch formen sich diese ganz widersprüchlichen persönlichen
Erlebnisse zu einem Bild: Das Nationale Pop- und Hip-Hop-Festival am
Strand; die kubanischen Bestarbeiter mit ihren Familien in unserem Vier-Sterne-Hotel,
die über die Gewerkschaften die begehrten Plätze als Prämie
erhalten hatten; die großen Transportprobleme und die tiefen Schlaglöcher
auf vielen Straßen; das zumindest für Lateinamerika und in
einigen Bereichen auch für die USA vorbildliche Gesundheitssystem;
das magere Angebot an Nahrungsmitteln und Haushaltsgeräten in den
normalen Geschäften und der bedrückende Gegensatz zu den Dollar-Läden;
der ausgezeichnete Fremdenführer, der in der DDR Maschinenbau studiert
hatte und dessen Dollar-Trinkgeld an zwei Tagen doppelt so hoch ist
wie das Monatseinkommen eines Arbeiters; die kleine gut ausgestattete
Dorfschule mit den selbstbewussten Kindern und der auf die Leistungen
ihrer Schüler stolzen Lehrerin; die Arbeiter aus der nahen Nickelgrube,
die für ein paar Tage zur ärztlichen Vorsorge-Untersuchung
mit den Touristen im Hotel wohnen oder die John Lennon-Statue im Garten
des Nachbar-Hotels mit der Erinnerung an „Give Peace a Chance“.
Es ist erstaunlich, wie dieses kleine Land mit den großen Problemen
fertig wird, die fast nur auf die Blockade- und Terrorpolitik der USA
zurückzuführen sind. Interessant auch die Wertvorstellungen
vieler Menschen. Da war in einem Dorf der ältere Mann mit dem Stapel
gebrauchter Bretter auf der Schulter unterwegs, die ihm immer wieder
entglitten. Mit Hilfe des Touristen gelangte das Holz, das zum Ausbessern
des Daches dienen sollte, in sein bescheidenes Häuschen. Natürlich
wurde die Familie vorgestellt. Des Vaters wichtigstes Thema: das Schulzeugnis
der 11 jährigen Tochter, die Klassenbeste geworden war. Oder die
beiden jungen Frauen, die in Santiago in einer Art Studentenuniform
am Straßenrand standen und mitgenommen werden wollten. Beide erzählten
in etwas holprigem Englisch (das immer noch wesentlich besser war, als
das Spanisch des Touristen am Steuer), dass sie nach ihrer Medizin-Ausbildung
vielleicht in eines der Nachbarländer gehen werden, um dort - wie
tausende andere kubanische Mediziner und Lehrer, fast 10.000 allein
in Venezuela - als Ärztinnen in den Armen-Ghettos zu arbeiten.
Es ist sicher unmöglich, die ganze Geschichte des Krieges gegen
Kuba an Hand von US-Dokumenten darzustellen, denn bisher ist nur ein
Bruchteil der CIA-Akten zugänglich. Doch selbst die veröffentlichten,
oftmals bis zur Unkenntlichkeit „gesäuberten“ Dokumente
aus den Archiven von Außenministerium, Weißem Haus, Geheimdiensten
und anderen Originalquellen beweisen eindeutig: Hier waren Terroristen
am Werk. Da bisher nur ein kleiner Teil der zumeist älteren Akten
freigegeben wurde, bedeutet das auch, dass die ersten Jahre des unerklärten
Krieges gegen Kuba besser dokumentiert sind als die letzten.
Die Kenntnis der entlarvenden Dokumente von vor 20 oder 40 Jahren macht
die heutige US-Politik, insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten
Verschärfung der Blockademaßnahmen durch Präsident Bush,
leichter durchschaubar. Die Reaktion der kubanischen Behörden darauf,
ihre Abwehr gegen den Terror, wird ebenfalls verständlicher, auch
wenn die Belege über den Terrorismus der jüngsten Vergangenheit
erst in einigen Jahrzehnten oder vielleicht nie bei der CIA eingesehen
werden können.
Die Dokumente aus den USA können auch deshalb nicht die ganze
Wahrheit vermitteln, weil es oft nur mündliche Absprachen oder
Anweisungen gab und es strikt verboten ist, insbesondere Mordanweisungen
schriftlich festzuhalten. Gelegentlich werden auch falsche Spuren gelegt,
um einigen der CIA nicht so genehmen Politikern, wie z.B. John und Robert
Kennedy, zu schaden. Schließlich haben die US-Geheimdienste auch
das Prinzip des „glaubhaften Dementis“ kultiviert, das es
nicht nur jedem Präsidenten, sondern auch den meisten Geheimdienst-Mitarbeitern
und der CIA-Führung ermöglichen soll, jegliche Kenntnis der
eigenen völkerrechtswidrigen Verbrechen abzustreiten.
Kuba kann sicher noch unzählige Beweise für den Terrorismus
der USA vorlegen, die den Inhalt der bisher freigegebenen US-Dokumente
nicht nur bestätigen, sondern auch ergänzen und wesentlich
erweitern würden. Doch ein Buch über den US-Terror gegen Kuba
aus der Sicht und mit den Erfahrungen der Bedrohten und Terrorisierten
wäre ein anderes Buch geworden. Schon während der Kongress-Ausschuss
1975 tagte, hatte die Inselrepublik Senator Church Beweise für
bis dahin insgesamt 24 Mordanschläge gegen Fidel Castro vorgelegt.
Der Ausschuss gab die Liste ausgerechnet an die CIA zur Prüfung
weiter und die bestätigte „nur“ neun Mordanschläge.
Die Senatoren gaben sich damit zufrieden. Inzwischen geht die Zahl der
Anschläge allein gegen Castro nach kubanischen Angaben in die Hunderte.
Hätte die Wahl John F. Kerrys von der Demokratischen Partei zum
Präsidenten zu einer vernünftigen und humanen Politik der
USA gegenüber Kuba geführt? Hätten die USA dann die jahrzehntelange
Blockade der Insel beendet, die Handelsschranken abgebaut, die Lieferungen
von Lebensmitteln und insbesondere Medikamenten zugelassen, die CIA-Aktivitäten
gegen Kuba eingestellt, US-Bürger nach Kuba reisen lassen und die
Unterstützung der von den USA aus operierenden und selbst gegen
US-Gesetze verstoßenden Terroristen unterbunden, also endlich
die Beziehungen normalisiert und insbesondere zivilisiert?
Wir werden es nicht erfahren. Im Wahlkampf gab Kerry nicht zu erkennen,
dass er einen Kurswechsel in der Kubapolitik plant. Er wollte die Einmischungs-Politik
nur weniger konfrontativ fortsetzen, eine Politik, die nach Angaben
Kubas bisher allein durch Blockade-Maßnahmen einen volkswirtschaftlichen
Schaden von 73 Milliarden Dollar angerichtet hat. Schon 1999 hatte Kuba
die USA auf 181,1 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt, verursacht
durch „feindliche Aktionen“ seit 1959, bei denen etwa 3500
Menschen, so die Angaben aus Havanna, den Tod fanden. Eine Normalisierung
der Kuba-Politik der USA könnte nur durch wachsenden nationalen
und internationalen Druck erreicht werden, durch eine neue Qualität
der Solidarität mit Kuba, auch durch eine Politik Deutschlands
und seiner Regierung, die jede Verletzung des Völkerrechts durch
die USA - ob in Irak oder in Kuba – scharf zurückweist.
Enttäuschung über den durch US-Politik erzwungenen offiziellen
Boykott der Buchmesse in Havanna im Frühjahr 2004 durch deutsche
und andere europäische Verlage stand ebenfalls gedanklich Pate
bei diesem Buch. Warum verweigern Intellektuelle, oftmals sogar Linke,
unter Berufung auf demokratische Werte und Menschenrechte und deren
vorgebliche Verletzung durch Kuba, diesem Land selbst kritische Solidarität,
einem Land, das in einem oftmals verzweifelten Abwehrkampf gegen den
übermächtigen Nachbarn steht? Warum wollen sie nur die Splitter
im Auge des seit 45 Jahren angegriffenen und in seiner Existenz bedrohten
Landes sehen und nicht die riesigen Balken im Auge des Aggressors? Stört
es sie nicht, in einer Front zu stehen mit denen, die nur darauf warten
(und Bush hat es ihnen schon versprochen), „ihre“ Betriebe,
die Ländereien, Hotels und Spielcasinos zurück zu bekommen
und Kuba wieder zur verlängerten Werkbank und zum Bordell der USA
und Havanna zum kubanischen Las Vegas zu machen?
Losungen wie „Patria o Muerte“ oder „Socialismo o
Muerte“, denen man auf Kuba begegnet, sollten aus der Geschichte
dieses stolzen Volkes verstanden werden – und als Aufforderung
zu Solidarität und Unterstützung. Natürlich würde
es auch Muerte, den physischen Tod, für viele bedeuten, wenn die
USA diese gesellschaftliche Alternative vor ihrer Haustür beseitigten.
Es wäre auch der Tod einer Hoffnung für ein Volk, das schon
vor mehr als 150 Jahren begann, für Freiheit und Selbstbestimmung
zu kämpfen. Es wäre der Tod einer Hoffnung auf ein selbstbestimmtes
Leben in erster Linie - aber nicht nur - für die Kubaner und für
Lateinamerika.
Warum findet sich in Deutschland kein führender Politiker, dem
so beizupflichten wäre wie dem Labour-Abgeordneten und ehemaligen
britischen Handelsminister Brian Wilson? „Kuba ist nicht perfekt“,
meinte er. „Aber es ist ein lebender Beweis, dass es für
ein Dritte-Welt-Land möglich ist, Armut, Krankheit und Analphabetismus
zu bekämpfen…Kubas Probleme sind gewaltig. Sozialismus in
einem Land ist immer noch ein Widerspruch in sich selbst. Für diejenigen,
die Havanna nur besuchen, um dann höhnisch zu grinsen, finden sich
an jeder Straßenecke politische Widersinnigkeiten. Alles richtig.
Aber alle sind sie ein unvermeidliches Ergebnis von 40 Jahren Belagerung;
und alle sind irrelevant im Vergleich zu dem, was Kuba bedeutet als
Symbol für die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen.“
„Warum fürchten die USA Kuba?“, fragte die britische
Zeitung The Guardian in einer Schlagzeile und gab gleich in der Unterüberschrift
die Antwort: „Die Feindschaft zum Castro-Regime kommt nicht von
dessen Mängeln, sondern von dessen Errungenschaften.“
Mehr denn je ist die „Perle der Antillen“ heute bedroht
von einem Nachbarn, der in Afghanistan und insbesondere in Irak wieder
deutlich macht, dass er vor keiner Gewalttat zurückschreckt, wenn
es um seine Interessen geht. Und der auch keine Provokation und Lüge
scheut, um seine Aggressionspolitik zu begründen und zu bemänteln.
Die Bush-Regierung reihte Kuba in ihre Liste der „Schurkenstaaten
und in die „Achse des Bösen“ ein. Präsident Bush
erklärte am 10. Oktober 2003, seine Regierung „plant für
die herrlichen Tage, wenn es Castros Regime nicht mehr gibt…“.
Diese Planung ist seit 1959 Regierungspolitik der USA.
Wenn es eines letzten Anstoßes für dieses Buch bedurft hätte,
so wurde der von Prof. Niall Ferguson gegeben, dem neuen Guru des US-Imperialismus.
Im April 2004 nahm Time Magazine den Wirtschaftshistoriker in seine
Liste der 100 einflussreichsten Bürger der Welt auf – zusammen
mit Präsident Bush. Bei einer Diskussion am 19. Mai 2004 in der
American Academy in Berlin nannte Prof. Ferguson den von den USA oft
versuchten „Systemwechsel“ in Kuba einen der „schlimmsten
Fehlschläge“ der US-Regierungen und ihrer imperialen Politik.
Auf meine Bitte, das näher zu erläutern, erklärte er,
in Puerto Rico und Hawaii seien die USA nur deshalb erfolgreich gewesen,
weil sie die Inseln lange genug besetzt hätten. Außerdem
würde Kuba viel besser zu den Vereinigten Staaten passen als Hawaii.
Woher die vielen
Soldaten kommen könnten, die für die dauerhafte US-Besetzung
und Kolonisation anderer Länder, so Kubas, nötig sind, hat
der Professor auch überlegt. Sie sollten aus dem Reservoir der
Millionen Arbeitslosen, Immigranten und der 2.1 Millionen Gefängnisinsassen
in den USA rekrutiert werden. Schließlich sei Australien auch
mit britischen Häftlingen kolonialisiert worden. George W. Bush
hat vier weitere Jahre Zeit, das zu verwirklichen.
++
zum Anfang
SPEZIAL zur ARD-Doku "Rendezvous mit dem Tod - Kennedy und Castro"
zum Anfang